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Überstunden bei Kündigung

20. Dezember 2025 / Kündigungsschutz Berlin

Überstunden bei Kündigung – Rechte, Auszahlung, Freizeitausgleich

Überblick: Warum Überstunden bei Kündigung besonders relevant sind

Bei einer Kündigung rücken offene Überstunden häufig erst spät in den Fokus – dabei können sie einen erheblichen finanziellen Wert haben. Nicht selten geht es um mehrere Tage oder sogar Wochen zusätzlicher Vergütung.

Gerade im Zusammenhang mit Kündigungsschutzklagen, Aufhebungsverträgen oder Vergleichen spielen Überstunden eine wichtige Rolle und werden häufig übersehen oder falsch behandelt.

Was sind Überstunden rechtlich?

Überstunden sind Arbeitszeiten, die über die vertraglich vereinbarte regelmäßige Arbeitszeit hinausgehen. Rechtlich relevant sind sie jedoch nur, wenn sie:

  • vom Arbeitgeber angeordnet wurden,
  • vom Arbeitgeber geduldet wurden oder
  • aus betrieblichen Gründen notwendig waren.

Eigenmächtig geleistete Mehrarbeit ohne Bezug zur Tätigkeit begründet in der Regel keinen Anspruch.

Was passiert mit Überstunden bei einer Kündigung?

Grundsatz

Bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses gilt:

Überstunden dürfen nicht einfach verfallen.

Der Arbeitgeber muss offene Überstunden entweder:

  • durch Freizeitausgleich ausgleichen oder
  • finanziell auszahlen.

Welche Variante gilt, hängt von den Umständen des Einzelfalls ab.

Auszahlung oder Abbummlen – was gilt bei Kündigung?

Freizeitausgleich bei Kündigung

Ein Freizeitausgleich ist nur möglich, wenn:

  • die Kündigungsfrist dafür ausreichend lang ist und
  • keine entgegenstehenden Interessen des Arbeitnehmers bestehen.

In der Praxis ist Freizeitausgleich häufig nicht mehr realistisch, insbesondere bei:

  • kurzer Kündigungsfrist
  • fristloser Kündigung
  • sofortiger Freistellung

Auszahlung von Überstunden

Kann oder soll kein Freizeitausgleich mehr erfolgen, besteht regelmäßig ein Anspruch auf Auszahlung der Überstunden.

Die Auszahlung erfolgt auf Basis des regelmäßigen Bruttostundenlohns.

Darf der Arbeitgeber Überstunden während der Kündigungsfrist abbummeln lassen?

Grundsätzlich möglich – aber nicht unbegrenzt

Der Arbeitgeber darf Überstundenabbau während der Kündigungsfrist anordnen, wenn:

  • ein Anspruch auf Freizeitausgleich besteht und
  • keine unzulässige Benachteiligung vorliegt.

Unzulässig kann es sein, wenn:

  • der Arbeitnehmer faktisch keinen Lohn mehr erhält
  • der Überstundenabbau überraschend oder missbräuchlich erfolgt
  • Urlaub durch Überstundenabbau ersetzt wird
  • der Abbau ausschließlich dem Zweck dient, Ansprüche zu vereiteln

Überstunden bei Freistellung

Bezahlte Freistellung

Bei einer bezahlten Freistellung kann der Arbeitgeber Überstunden nicht automatisch als abgegolten betrachten, es sei denn:

  • dies ist ausdrücklich vereinbart oder
  • der Freizeitausgleich wird eindeutig erklärt.

Unbezahlte Freistellung

Eine unbezahlte Freistellung ist ohne vertragliche Grundlage in der Regel unzulässig und berührt Überstundenansprüche nicht.

Überstunden bei fristloser Kündigung

Bei einer fristlosen Kündigung ist Freizeitausgleich faktisch ausgeschlossen.

Offene Überstunden sind daher grundsätzlich auszuzahlen, selbst wenn die fristlose Kündigung später als wirksam bestätigt wird.

Wird die fristlose Kündigung im Kündigungsschutzverfahren für unwirksam erklärt, können zusätzlich Annahmeverzugslohnansprüche entstehen.

Überstunden bei Aufhebungsvertrag

Aufhebungsverträge enthalten häufig Klauseln wie:

„Mit der Zahlung der Abfindung sind alle Ansprüche abgegolten.“

Solche Klauseln können auch Überstundenansprüche erfassen, wenn sie nicht ausdrücklich ausgenommen werden.

Überstunden sollten im Aufhebungsvertrag immer ausdrücklich geregelt werden, entweder:

  • durch Auszahlung
  • durch bezifferten Ausgleich
  • oder durch klare Abgeltung gegen höhere Abfindung

Verfallen Überstunden mit der Kündigung?

Nein – aber Ausschlussfristen beachten

Überstunden können nur dann verfallen, wenn:

  • wirksame Ausschlussfristen im Arbeits- oder Tarifvertrag bestehen und
  • der Arbeitnehmer seine Ansprüche nicht rechtzeitig geltend macht.

Viele Ausschlussfristen betragen 3 Monate ab Fälligkeit.

Deshalb sollten Überstunden spätestens mit Zugang der Kündigung schriftlich geltend gemacht werden.

Beweislast: Wer muss Überstunden nachweisen?

In der Praxis trägt häufig der Arbeitnehmer die Beweislast dafür, dass:

  • Überstunden geleistet wurden
  • diese angeordnet oder geduldet waren
  • der Umfang korrekt ist

Wichtige Beweismittel:

  • Zeiterfassungssysteme
  • Stundenzettel
  • E-Mails / Arbeitsanweisungen
  • Projektpläne
  • Zeugenaussagen

Typische Streitpunkte bei Überstunden und Kündigung

  • Arbeitgeber bestreitet Überstunden
  • Pauschale Überstundenabgeltung im Vertrag
  • Überstundenabbau ohne Zustimmung
  • Überstunden sollen mit Abfindung „untergehen“
  • Ausschlussfristen werden übersehen

Gerade diese Punkte führen regelmäßig zu gerichtlichen Auseinandersetzungen.

Überstunden als Verhandlungsmasse bei Abfindungen

Überstunden können in Kündigungsschutzverfahren strategisch genutzt werden:

  • als zusätzlicher Zahlungsanspruch
  • als Argument für höhere Abfindung
  • als Bestandteil eines Vergleichs

In vielen Fällen lassen sich Überstunden in Abfindungsverhandlungen integrieren, statt sie separat einzuklagen.

Häufige Fragen (FAQ)

Müssen Überstunden bei Kündigung immer ausgezahlt werden?

Nein, aber wenn Freizeitausgleich nicht mehr möglich oder unzumutbar ist, besteht regelmäßig ein Auszahlungsanspruch.

Darf der Arbeitgeber Überstunden mit der Abfindung verrechnen?

Nur, wenn dies ausdrücklich und transparent vereinbart wurde.

Was passiert mit Überstunden bei Krankheit während der Kündigungsfrist?

Krankheit lässt den Anspruch auf Überstunden nicht entfallen.

Sind Überstunden mit dem Gehalt abgegolten?

Nur bei klaren, transparenten und angemessenen Vertragsklauseln – pauschale Formulierungen sind oft unwirksam.

Zusammenfassung

  • Überstunden bleiben auch bei Kündigung anspruchsrelevant
  • Freizeitausgleich ist oft nicht mehr praktikabel
  • Auszahlung ist in vielen Fällen der richtige Weg
  • Ausschlussfristen unbedingt beachten
  • Überstunden können Abfindungen erhöhen

Hinweis für Arbeitnehmer

Wenn Überstunden bei einer Kündigung nicht korrekt berücksichtigt werden, geht es häufig um mehr Geld als erwartet. Gerade bei Aufhebungsverträgen oder Kündigungsschutzklagen lohnt sich eine frühe rechtliche Prüfung, um Ansprüche nicht ungewollt zu verlieren.


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