EY-Studie zu Konzernen – Jobs fallen weg
EY-Studie zu Konzernen: Gewinne brechen ein, Jobs fallen weg – was Arbeitnehmer jetzt wissen und tun sollten
Deutschlands größte Konzerne stehen wirtschaftlich unter Druck. Die aktuelle Analyse der Beratungsgesellschaft EY zeigt ein Bild, das viele Beschäftigte bereits aus dem Arbeitsalltag kennen: sinkende Gewinne, steigender Rationalisierungsdruck und ein zunehmender Stellenabbau – insbesondere in Deutschland. Für Arbeitnehmer bedeutet diese Entwicklung vor allem eines: steigende Unsicherheit.
Doch wirtschaftliche Schwäche rechtfertigt nicht jede Kündigung. Gerade in Krisenzeiten gelten besondere arbeitsrechtliche Regeln. Wer seine Rechte kennt, kann sich schützen – oder sogar eine hohe Abfindung durchsetzen.
Dieser Beitrag ordnet die EY-Zahlen wirtschaftlich ein und zeigt aus arbeitsrechtlicher Sicht, was Arbeitnehmer jetzt konkret tun können, wenn ihr Arbeitsplatz gefährdet ist.
Drei schwache Jahre in Folge: Die wirtschaftliche Realität der Top-100-Konzerne
Die Zahlen sind eindeutig. 2025 war für Deutschlands größte Unternehmen erneut kein gutes Jahr – bereits das dritte in Folge.
In den ersten neun Monaten des Jahres sank der operative Gewinn (EBIT) der 100 größten deutschen Unternehmen um 15 Prozent auf rund 102 Milliarden Euro. Mehr als jedes zweite Unternehmen erzielte geringere Gewinne als im Vorjahr.
Auf den ersten Blick wirkt der Umsatz stabil:
- Gesamtumsatz: ca. 1,55 Billionen Euro
- Nominales Wachstum: +0,6 Prozent
Doch dieses Wachstum liegt unterhalb der Inflationsrate. Real betrachtet bedeutet das: Die Unternehmen haben faktisch an wirtschaftlicher Substanz verloren.
Für Arbeitnehmer ist diese Entwicklung besonders relevant, denn sie bildet häufig die Grundlage für:
- Personalabbau
- Einstellungsstopps
- Umstrukturierungen
- Standortschließungen
- Outsourcing und Verlagerung ins Ausland
Industrie unter Druck: Auto- und Chemiebranche besonders betroffen
Besonders hart traf es die klassischen deutschen Kernindustrien.
Automobilbranche
- Rückgang des operativen Gewinns: –46 Prozent
- Massive Investitionen in Elektromobilität bei gleichzeitigem Margenverfall
- Absatzprobleme in China
- Hohe Energiekosten und regulatorischer Druck in Europa
Auch Marktführer wie Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW spüren die Krise deutlich – trotz hoher Umsätze.
Chemieindustrie
- Operativer Gewinneinbruch: –71 Prozent
- Energiepreise, schwache Nachfrage, Standortnachteile
- Verlagerung von Produktionskapazitäten ins Ausland
Für Beschäftigte dieser Branchen steigt das Risiko betriebsbedingter Kündigungen erheblich.
Lichtblicke: Technologie, Gesundheit und Finanzsektor
Nicht alle Branchen verlieren.
Deutlich besser schneiden Unternehmen ab, die weniger abhängig von klassischer Industrieproduktion sind:
- IT-Unternehmen: Gewinne nahezu verdoppelt
- Gesundheitssektor: Gewinnplus von rund 40 Prozent
- Finanzbranche: vergleichsweise stabil
- Rüstungsindustrie: profitiert von geopolitischen Entwicklungen
An der Spitze der profitabelsten Konzerne steht die Deutsche Telekom mit einem operativen Gewinn von 19,4 Milliarden Euro, gefolgt von Siemens, BMW und SAP.
Diese Unterschiede sind arbeitsrechtlich relevant: Nicht jede Kündigung lässt sich pauschal mit „Krise“ begründen, wenn der Konzern insgesamt profitabel bleibt.
Stellenabbau: 100.000 Jobs seit 2023 verloren
Die wirtschaftliche Schwäche zeigt klare Folgen auf dem Arbeitsmarkt.
- 2025: ca. 17.500 Arbeitsplätze weniger bei den Top-100-Konzernen
- Seit 2023: rund 100.000 Stellen abgebaut
- Besonders betroffen:
- Verwaltung
- Overhead-Funktionen
- Zentrale Standorte in Deutschland
Hinzu kommen:
- Zurückhaltung bei Neueinstellungen
- Befristete Verträge werden nicht verlängert
- Frühverrentungsprogramme
- Steigender Einsatz von Künstlicher Intelligenz
Gerade Berufseinsteiger haben es aktuell schwer.
Wirtschaftskrise ≠ rechtmäßige Kündigung
Viele Arbeitgeber nutzen wirtschaftliche Argumente, um Kündigungen zu rechtfertigen. Doch arbeitsrechtlich gilt:
Nicht jede wirtschaftliche Krise erlaubt automatisch Kündigungen.
Voraussetzungen für eine wirksame betriebsbedingte Kündigung
Ein Arbeitgeber muss nachweisen:
- Dringende betriebliche Erfordernisse
- Wegfall des konkreten Arbeitsplatzes
- Keine Weiterbeschäftigungsmöglichkeit
- Ordnungsgemäße Sozialauswahl
- Verhältnismäßigkeit
Gerade in großen Konzernen scheitern Kündigungen häufig an:
- fehlerhafter Sozialauswahl
- widersprüchlichen Begründungen
- konzernweiten Versetzungsmöglichkeiten
- parallelen Neueinstellungen
- mangelhafter Dokumentation
Warum Konzerne trotz Krise Abfindungen zahlen
Viele Arbeitnehmer wundern sich, warum Konzerne trotz schwacher Zahlen hohe Abfindungen zahlen. Die Antwort ist einfach:
- Kündigungsschutzklagen sind risikoreich
- Prozesse binden Zeit und Ressourcen
- Imageschäden sollen vermieden werden
- Unsichere Rechtslage bei Massenkündigungen
- Druck durch Betriebsräte und Öffentlichkeit
In der Praxis führt das häufig zu:
- außergerichtlichen Einigungen
- Abfindungen zwischen 0,5 und 1,5 Monatsgehältern pro Jahr
- bezahlten Freistellungen
- guten Zeugnisformulierungen
KI, Rationalisierung und neue Kündigungswellen
Der zunehmende Einsatz von KI verschärft die Situation zusätzlich.
Typische Entwicklungen:
- Automatisierung administrativer Tätigkeiten
- Abbau von Sachbearbeitungsstellen
- Zusammenlegung von Abteilungen
- Verlagerung von Aufgaben ins Ausland
- „schleichender Personalabbau“
Arbeitsrechtlich gilt jedoch auch hier:
- Technologischer Wandel rechtfertigt Kündigungen nur unter strengen Voraussetzungen
- Umschulungen und Weiterbildungen müssen geprüft werden
- Kündigungen sind oft angreifbar
Warum schnelles Handeln entscheidend ist
Arbeitnehmer machen häufig denselben Fehler: Sie warten zu lange.
Dabei gilt:
- Nur 3 Wochen Zeit für Kündigungsschutzklage
- Fristversäumnis = Kündigung wirksam
- Abfindungschancen sinken drastisch
- Verhandlungsmacht geht verloren
Wer frühzeitig handelt, verbessert seine Position erheblich.
Typische Fehler von Arbeitnehmern in Konzernen
- Kündigung ungeprüft akzeptieren
- Aufhebungsvertrag vorschnell unterschreiben
- Abfindungsangebote nicht verhandeln
- Fristen ignorieren
- Keine rechtliche Beratung einholen
Diese Fehler kosten oft fünfstellige Beträge.
Ihre Rechte als Arbeitnehmer in der aktuellen Konzernkrise
Sie haben unter anderem Anspruch auf:
- Prüfung der Kündigungsgründe
- korrekte Sozialauswahl
- Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten
- Verhandlung einer Abfindung
- qualifiziertes Arbeitszeugnis
- Sperrzeitvermeidung beim Arbeitslosengeld
Ein erfahrener Anwalt kann diese Punkte gezielt durchsetzen.
Warum ein spezialisierter Kündigungsschutz-Anwalt entscheidend ist
Gerade bei großen Konzernen ist arbeitsrechtliche Erfahrung entscheidend:
- Kenntnis konzerninterner Strukturen
- Erfahrung mit Betriebsräten
- Verhandlungssicherheit gegenüber Arbeitgeberanwälten
- Strategisches Vorgehen statt Standardklage
Viele Verfahren enden nicht vor Gericht, sondern mit sehr guten Vergleichen.
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